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Regionale Pressestimmen


27.12.2006










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Abstürzende Oberschwestern

Weser Kurier

Sigrid Schuer

Michael Derda rettete die Premiere "Und alles auf Krankenschein"

Sie können das doch! schallte es Michael Derda am Tag der offenen Tür aus dem nahezu voll besetzten Auditorium entgegen. Bei so viel aufmunternder Solidarität seines Publikums musste der Chef ganz ein- fach selbst ran. Und so rettete der Intendant des Waldau Theater Komödie mit Bravour die Premiere und Folgevorstellungen von "Und alles auf Krankenschein". Der Titel der Komödie von Ray Cooney hat es offenbar in sich. Oder war es doch eher der Premierentermin - Freitag, der 13. - der den vorgesehenen Hauptdarsteller Klaus Nowicki bei der Generalprobe mit einem schweren Kreislaufkollaps zusammen brechen ließ? Der gesundheitlich selbst an- geschlagene Derda sprang, das Textbuch in der Hand, beherzt in die eigene Inszenierung und verlieh den haarsträubenden Verwicklungen damit den doppelt amüsanten Charme der Improvisation, Am Waldau Theater liefen bereits Cooneys,"Außer Kontrolle" und "Bleib' doch zum Frühstück" mit großem Erfolg. In seiner Krankenhaus-Komödie hat der britische Lustspiel-Spezialist mit schwarzem Humor allerdings noch einmal eins drauf gesetzt. Wie heißt es doch im Programmheft: Cooney konstruiert "bürgerliche Katastrophen, die in atemberaubendem Tempo über die Bühne jagen". Die Verwicklungen, die sich nach und nach immer mehr verselbstständigen, nehmen damit ihren Anfang, dass Dr. David Mortimore, dienstältester Neurologe im honorigen St. Andrews Hospital, im Trubel der Vorweihnachtszeit verzweifelt versucht, sich auf die für seine Karriere so wichtige Rede vor dem Neurologen-Kongress vorzubereiten. Noch bleibt ihm dafür eine Dreiviertel-Stunde Zeit, die allerdings mit purem Wahnwitz angefüllt ist. Urplötzlich platzt seine frühere Wäschekammer-Affäre Jane Tate (blond und aufgedreht: Maruna Rüggebrecht) in die Vorbereitungen: Die Ex-Lernschwester eröffnet ihm, dass sein unehelicher Sohn Lesile, von dessen Existenz Mortimore keine Ahnung hatte, ihn kennenlernen möchte. Bernhard A. Wessels brilliert in der Rolle des verstörten Unglücksraben Leslie Tate, der schon mal im Eifer des Gefechts eine versehentlich mit Valium abgefüllte Oberschwester (Ingrid Waldau) vom Fenstersims schubst. Ais randalierender Punk, der in verzweifelter Sehnsucht nach seinem Vater einen Cocktail aus Gin, Pillen und Champagner geschluckt hat, ist er durch Sergeant Torn Connolly (ein briti- scher Bobby, wie er im Buche steht: Ulf Albrecht) nur schwer zu bändigen. Ruhiger wird er erst, als er endlich Hubert Bonney, den er für seinen Vater hält, herzen darf. Matthias Simon verleit dem Hirnforscher mit Kung Fu-Kenntnissen weltfremde Züge. In Sancho-Pansa-Treue schlüpft er leicht derangiert wechselweise mit Mortimore in die Rolle der Oberschwester. Hubert übernimmt sogar die amourösen Hinterlassenschaften seines Freundes, um das Lü- genwirrwarr aufzulösen. So gelingt es, dass Rosemary Mortimore bis zuletzt nichts von den Eskapaden ihres David erfährt. Iris Born ist ganz berufsmäßige Neurologen-Gattin mit zarten Nerven. Dem armen Mortimore macht zusätzlich die auf Moral pochende, allerdings selbst dem Whisky unverhohlen zusprechende Regierungsrätin Lady Heavy- Weight Drake (resolut: Karin Hölscher) das Leben schwer. Zur allgemeinen Verwirrung trägt außerdem der schauspielversessene Arzt-Kollege Mike Connolly bei. Bernd Poppe wird im fliegenden Wechsel von der Tunte zur verkleideten Oma. Last not least liefert Georg Troeger in der Rolle des kauzig-vorwitzigen Namensdoppelgängers Bill Lesley ein komödiantisches Kabinett-Stückchen ab. Lachen ist eben doch die beste Medizin - mit und ohne Krankenschein.


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Weser Kurier 15.09.2002 Sigrid Schuer

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