...
Lady Macbeth zieht nicht mit um
Lady Macbeth zieht nicht mit um
Das Theater am Goetheplatz weicht für die Renovierung des eigenen
Hauses in das Musicaltheater am Richtweg aus
Von unserer Redakteurin
Alexandra Albrecht
Für das Theater am Goetheplatz ist der Lehrstand des Musicaltheaters ein Glücksfall.
Während das eigene Haus renoviert wird, kann der Betrieb am Richtweg fortgeführt werden.
Das erfordert allerdings einige technische und bauliche Veränderungen, die zum
Großteil schon abgeschlossen sind. Mit der Premiere des Weihnachtsmärchens
»Mio, mein Mio" am 13. Oktober nimmt das Theater den Spielbetrieb in
seinem Übergangsheim auf.
Ende Juli hatten die letzten Mitarbeiter des Musicals das Haus an die Nachfolger übergeben, seitdem bereitet Carsten Schmied, technischer Direktor des Theaters am Goetheplatz, den
Spielbetrieb vor. »Das Musicaltheater war darauf ausgelegt, eine Produktion zu
zeigen. Wir spielen aber Repertoire, jeden Abend ein anderes Stück", erklärt
Carsten Schmied. Das Kernproblem sind fehlende Lagerkapazitäten; eine Hinterbühne
gibt es nicht, die Seitenbühnen sind recht klein und nicht zum Unterstellen von
Kulissen geeignet. „Das alles hat erhebliche Auswirkungen auf den Spielplan,
es wird unter anderem mehr spielfreie Abende geben müssen“, fügt Schmied hinzu.
Auf das technische Personal kommen anstrengende Zeiten zu, die Bühnenbilder müssen nach den Vorstellungen abgebaut und in Containern verstaut werden. Gleichzeitig laufen bis zum Januar
auch noch Vorstellungen im Theater am Goetheplatz, so dass der Spielbetrieb an
zwei Bühnen zu unterhalten ist. Um den Arbeitsaufwand etwas zu reduzieren
sollen die Stücke möglichst an zwei Abenden hintereinander gezeigt werden.
Manche Produktion lässt sich allerdings gar nicht am Richtweg aufführen; „Die tote Stadt", „Lady Macbeth von Mzensk" „Aida" und „Die Zauberflöte" laufen nur noch begrenzte Zeit im Theater am Goetheplatz. Andere Stücke wie etwa „Cabaret“ können auch im
Ausweichquartier gegeben werden. Die neuen Inszenierungen, das Weihnachtsmärchen
und „Die verkaufte Braut" beispielsweise, werden gleich den Räumlichkeiten
angepasst. Im Richtweg ist die Bühne weniger tief, dafür war das Portal
breiter. Dieses wurde nun zurückgebaut und den Wiederaufnahmen angepasst. Für
das Orchester wird es künftig eng im Graben, vor allem wenn „Lohengrin"
auf dem Spielplan steht. Mehrmals rückten die Musiker mit Stühlen und
Notenpulten an, um zu prüfen, ob die Instrumente ohne Gefährdung des
Sitznachbarns gespielt werden können. Der neue Generalmusikdirektor Lawrence
Renes soll auf die skeptischen Philharmoniker eingewirkt haben, so dass jetzt
geht, was gehen muss. Schwerwiegende Bedenken gegen die Akustik des Musicaltheaters
habe der Dirigent bislang nicht geäußert, so Carsten Schmied.
Hier ist eben alles auf Musical ausgerichtet, auch die Ton- und Lichtanlage. Doch das haben
wir jetzt auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten", .so der technische
Direktor. Carsten Schmied ist vor etwa zwei Jahren als Werkstättenleiter an das
Theater gekommen. Als der technische Direktor Karl-Heinz Krämer nun an das
Deutsche Theater Berlin wechselte, löste Carsten Schmied ihn zum Beginn der
jetzigen Spielzeit ab. Dass er in seiner neuen Position gleich eine besonders heikle
Aufgabe zu bewältigen hat, schockt ihn nicht. „Das ist ja kein Einzelkämpferjob.
Ich habe viele qualifizierte Mitarbeiter, die mir helfen", so der gebürtige
Schwabe. Ende des kommenden Jahren sollen die Bauarbeiten im Theater Goetheplatz
abgeschlossen sein, dann wird nach und nach der Rückzug in das eigene Haus erfolgen.
Vorerst gilt es jedoch die Besucher an die fremde Spielstätte zu locken und das
„Geisterhaus“ (Schmied) zu beleben.
Bremer "Weser Kurier" vom 02.10.02
zurück zum Anfang
zurück zum Archiv
|