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Vielseitig und mit Tiefgang
Vielseitig und mit Tiefgang
Matthias Simon kehrt als Schauspieler nach Bremen zurück
Von Sigrid Schuer
Die Kapriolen, die er in Ray Cooneys aberwitzig verwickelter Komödie
"Und alles auf Krankenschein" momentan zu meistern hat, sind wahrlich
nicht von schlechten Eltern. Matthias Simon ist Dr. Hubert Bonney in
dem Erfolgsstück, das seit Mitte September im Waldau-Theater Komödie Bremen
läuft. Als zerstreuter Neurologe schlüpft er leicht derangiert abwechselnd
mit Dr. David Mortimore auch schon mal in die Rolle der Oberschwester.
Denn Mortimore, der sich ebenso unversehens wie unfreiwillig mit einer
illegitimen Vaterschaft konfrontiert sieht, verstrickt sich immer mehr in
haarsträubendste Widersprüche.
Solche Situationen bewältigt der in Hamburg lebende Theater-Profi mit der
größtmöglichen Routine. Das war keineswegs immer so. "Ich habe erst im Laufe
der Jahre das Lampenfieber besiegt und die Angst, mich darzustellen,
überwunden", sagt Matthias Simon von sich. Der gebürtige Bremer, der sein
Abitur an der Kleinen Helle absolvierte, kam über Umwege zum Theater.
"Nach dem Abi habe ich vieles ausprobiert. Während meiner Zivildienstzeit
arbeitete ich an einer Sonderschule für autistische Kinder.
Im Anschluss studierte ich einige Semester Ethnologie an der Hamburger Uni.
Ende der siebziger Jahre habe ich südlich von Oldenburg auf dem Land in
einem Zirkuswagen gelebt und dann an einem Clowns-Workshop teilgenommen."
Das scheint das Schlüsselerlebnis für Simon gewesen zusein. Seine ersten
schauspielerischen Gehversuche unternahm er dann am Bremer Bildertheater,
das George Tabori in der Ära Hübner gründete. Eine Sprechtheater-Erzieherin
empfahl ihm das Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover.
Der Schauspielaspirant sprach vor und wurde prompt genommen.
Schon während des Studiums engagierte ihn das Ohnsorg-Theater für die Rolle
des Ruprecht in der niederdeutschen Version von Kleists "Zerbrochnem Krug".
Die Liebe zu Kleist und den Klassikern generell ist geblieben.
So war Matthias Simon in Wolfgang Hoffmanns Inszenierung des
"Käthchens von Heilbronn" in Bremerhaven zu sehen.
Während seines achtjährigen Engagements in Münster hat der dreifache Vater
viele Klassiker gespielt. "Der Jago in 'Othello' war eine ganz besondere Herausforderung"
erinnert sich der sympathische Schauspieler. An Shakespeare geschult hat Simon
auch seine persönliche Lustspiel-Philosophie: "Man muss Figuren und Situationen
ernst nehmen und Komödien letztendlich so spielen, als wären es Tragödien".
Aber auch TV- und Musical-Erfahrung hat er schon gesammelt. So spielte er
in Fernsehserien und war seit 1996 bei "Buddy" in Hamburg engagiert.
Seit 1998 ist er in der Theatermetropole auch Schauspiellehrer an
der "Stage School for Music, Dance and Drama" und unterrichtet zusätzlich
bei "Stairs up" in Osnabrück. "Ich habe nicht gedacht, dass mir das
liegt", bekennt Simon, der mit seinen Studenten auch Inszenierungen erarbeitet. "Ich lerne selber viel durch das Unterrichten."
Ein erneutes Heimspiel des gebürtigen Bremers am Waldau-Theater liegt im Bereich des Möglichen.
Bremer "Weser Kurier" vom 02.10.02
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