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Regionale Pressestimmen


20.10.2002

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Liebenswertes kleines Lustspiel

Von unserer Mitarbeiterin

Sigrid Schuer

Im Waldau Theater hatte "Labskaus un Schampanjer" Premiere

Ohne Moos nix los. Diese unerfreuliche Erfahrung haben Traute und Siggi machen müssen. Trotzdem haben sie sich in den Kopf gesetzt, das Labskaus-Spezialitäten-Restaurant „Zur Kombüse“ zu eröffnen. Doch woher das Geld nehmen? Als plötzlich Trautes alter Erbonkel aus dem Leben geschieden zu sein scheint, entdeckt das Pärchen eine nicht ganz einwandfreie, jedoch lukrative Einnahmequelle für sich. Denn wozu hat Onkel Hermann schließlich seiner Nichte eine Vollmacht erteilt, wenn nicht deshalb, dass sie seine Rente von der Bank abholen kann?

Um die unvorhersehbaren Folgen dieses Rentenbetrugs dreht sich Konrad Hansens Komödie „Labskaus un Schampanjer", die jetzt im Waldau Theater Komödie Bremen Premiere hatte. Regisseur Bernd Poppe ist mit leichter Hand der Wurf eines liebenswerten kleinen Lustspiels gelungen, das auf Überzeichnungen verzichtet. Einzig Isolde Beile als betont geschäftstüchtige Spirituosenfabrikantin Lotti Messerschmidt täte etwas weniger Umtriebigkeit ganz gut.

Lotti macht das Chaos mit ihrem Erscheinen in der renovierungsbedürftigen „Kombüse“ (Bühnenbild Bojan Boev) komplett. Denn keiner hatte die Existenz von Onkel Hermanns flotter Verlobter geahnt. Am allerwenigsten Erwin Kummerfeld, ein alter Schulfreund Siggis, der sich dazu breit schlagen lässt, in die Rolle des vermissten Erbonkels zu schlüpfen, denn die Versicherung hat sich gemeldet, um den Fall zu prüfen.

Bernhard A. Wessels macht seine Sache als wandlungsfähiger Alleinunterhalter Erwin ganz famos und darf als verblüffend ähnliches Michael-Jackson-Double mit zugehöriger "Schritt-Folge eine Kostprobe seines Könnens geben. Im Nu wird aus dem Jungspund der gebrechliche und renitente Ersatz-Erbonkel. Auch Erwins Hans Albers-Imitation dürfte bestens in das künftige Labskaus-Spezialitäten-Restaurant passen. Dass Traute und Siggi mit ihren ehrgeizigen Plänen nicht doch noch finanziellen Schiffbruch erleiden, dafür will Lotti Messerschmidt als Investorin sorgen.

In der "Kombüse" soll künftig die pikante Mischung "Labskaus un Schampanjer" serviert werden. Als Gegenleistung will die im zweiten Frühling stehende Spirituosenfabrikantin jedoch Trautes Verlobten Siggi abstauben. Die ist jedoch am Ende gar nicht mehr so böse darum, den Faulpelz mit Prolo-Manieren gegen den zart besaiteten Erwin eintauschen zu können, der sowieso viel besser zu Trautes, alias Nina Arenas erfrischend natürlichem Charme passt. Soll sich Lotti doch mit dem bierseligen Bodybuilding-Freak vergnügen. Ulf Albrecht lässt als Siggi nicht nur die Muskeln, sondern auch zweifelhaften Charme spielen. Dem etwas abruptem Happy End steht also nichts mehr im Wege, nachdem der putzmuntere Original-Erbonkel aufgetaucht und ebenso urplötzlich wieder in der Versenkung verschwundene ist.

Traute erfährt erst nach und nach, dass ihr lieber Onkel Hermann ein ganz schön tiefgehendes Schiff gewesen sein muss. Mit Vorliebe verspielte er anderer Leute Geld im Casino oder machte als Hauptbuchhalter gar Unterschlagungen. Und so ist der auf den ersten Blick so seriös wirkende Herr Fiedler (Klaus Nowicki) der von allen erwartete Inspektor der Bundesversicherungsanstalt, nichts anderes als ein schäbiger Erpresser in feinem Zwirn, der von Erwin enttarnt wird.

Bremer "Weser Kurier" vom 13.10.02

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