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Viel Spaß am Schwimming-Pool
Von Jochen Brünner
Lukas Langhoff und Dieter Loefflers Liederabend "All Inklusive"
Selten gab es in einer Schauspiel-Inszenierung des Bremer Theaters so viele
"Egals". Die Schauspieler sind keine professionellen Sänger. EgaL. Natürlich
sitzt nicht jeder Ton perfekt. EgaL. Und die Geschichte: Sowieso egal.
Denn entscheidend ist der Spaß. Und den hat das Publikum an (fast) jeder
der 36 Nummern (inklusive Zugaben) des Liederabends "All Inklusive",
die Regisseur Lukas Langhoff und der musikalische Leiter Dietmar Loemer
rund um einen Tag in einer Ferienanlage zusammengebaut haben - vom
"Je t’aime" -Blockflötenchor bis zu Tom Jones' "Sexbomb" mit
Akkordeonbegleitung.
"Ich besorg's Dir" steht auf dem T-Shirt von „Single Tours-Animateur
Thomas Ziesch („ich bin der Karsten, aber ihr könnt mich auch Däivid
nennen"), und bevor der Handtuch-Krieg eskalieren kann, besorgt er den anonymen Erholungssuchenden, die nichts außer der Sehnsucht nach Erholung und dem gleichen
Sonnenbrillen-Modell eint, erst einmal eine ausreichende Anzahl Plastikliegen.
Langhoff mit "Genre-Erfinder" Franz Wittenbrink bei "Miles & More" in Hannover zusammengearbeitet hat, stellt er im Schauspielhaus nun also seinen ersten eigenen Liederabend vor. Von Bach bis zu den Rolling Stones, von Funny van Dannen bis zu den Einstürzenden Neubauten, von Burt Bacharach bis zu Miriam Makeba reicht das
musikalische Spektrum. "Entscheidend ist nicht die Werktreue, sondern dass der Song in den Kontext unserer Geschichte passt", hat der Regisseur im Vorfeld erklärt. Und so bezieht
"All Inclusive" seinen Reiz immer wieder aus der Diskrepanz von Image und Interpretation.
Ein durchweg großartiges Ensemble füllt diesen Ferienclub mit Leben.
Da ist etwa Irene Kleinschmidt als Mutter, die deutlich mehr Interesse an
Esoterik als an ihrer Tochter zeigt, eine verklemmte Gabriela Maria Schmeide
vertreibt sich mit einer Stickarbeit die Zeit am Pool ("Es ist nie zu spät"), ehe sie Henrik Zimmermann vor dem Ertrinken rettet, Andreas Herrmann singt bei einer Crocket-Runde das makabre Lied vom "Kleinen Trompeter", und Sebastian Dominik offenbart vergangene
Beischlaf-Vorlieben.
"Egoist" Fritz Fenne lässt die Muskeln seines Waschbrettbauchs so effektvoll spielen,
dass er noch in der Zugabe "Bademantel aus" -Rufe provoziert und dem armen Guido Gallmann (fest in der Hand von Gabriele Möller-Lukasz) damit fast die Schau stiehlt.
Nicht zu vergessen, die etwa zehnjährige Samira Cecilia Mensah Mack, die sich völlig couragiert in das Spiel der Profis einfügt. Eine skurrile Bademodenschau ist inklusive, und nur "Engel" Susanne Schrader darf am Ende nicht mit in den Pool.
Auch wenn Sie schon seit Jahren nicht mehr im Theater waren: Hingehen.
Absolut kultverdächtig!
| Quelle |
Datum |
Copyright |
| Weser Report |
27.10.2002 |
Jochen Brünner |
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